Debatte um Rassismus in den USA geht uns alle an!

Heute geht es mal nicht um DIY und ums Reisen schon gar nicht. 😉

Ich möchte mich in diesem Beitrag einem Thema widmen, welches seit einigen Tagen (für ganz viele Schwarze Menschen bereits ihr Leben lang), neben Corona in den Medien kursiert: Rassismus in unserer Gesellschaft.

Alle, die diesen Beitrag lesen haben sicherlich vom brutalen Mord an George Floyd, Ende Mai in den USA gelesen oder gehört. Ich muss hier nicht weiter darauf eingehen, was genau passiert ist, es gibt genug Berichterstattungen dazu.
Der Tod von George Floyd ist aber nur die Spitze eines sehr langen und großen Eisberges, die eine Welle von Unruhen, Protesten und Forderungen nach sich gezogen hat und es hoffentlich noch weiterhin macht.

Nun mag man sich fragen, was das mit Deutschland zu tun hat und was es uns hier angeht, was dort in den USA, wo eh alles ganz anders ist, passiert. Sehr vieles von dem, was gerade nach und nach in den USA offen gelegt wird, findet sich auch bei uns wieder! Und genau darauf möchte ich mich in diesem Beitrag widmen.

Erläuterung der Probleme

Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass ich keine Journalistin bin und das dieser Artikel Lücken und wahrscheinlich auch Fehler hat. Aber ich möchte meine Gedanken ausdrücken und auch andere dazu ermutigen bzw. bewegen sich dem Thema tiefer zu widmen und sich selbst zu belehren und zu fragen, was sie tun können.

Noch immer bin ich in Chicago und bekomme die Unruhen und Proteste täglich (fast) live mit. Zudem lese ich viele Nachrichten und anderen Quellen zum aktuellen Thema dazu. Ich muss zugeben, vieles wusste ich bis vor kurzem nicht.

Was hier in den USA an Gewalt an schwarzen und Minderheiten fast täglich passiert – sei es von Polizisten (George Floyd, Breonna Taylor, Eric Garner und so viele andere) oder selbsternannten Nachbarschafts-Hütern (Ahmaud Arbery, etc.) scheint für uns in Deutschland undenkbar und sehr weit weg zu sein. Aber ist es das wirklich?

Selbst wenn wir in Deutschland weniger Fälle haben, bei denen schwarze Menschen durch irgendeine Form von Gewalt getötet oder angegriffen wurden, haben wir hier nicht weniger das Problem von Rassismus.
So gab es in Dessau 2005 bspw. den Fall von Oury Jalloh, der sich angeblich in einer Zelle selbst angezündet hatte, obwohl er Handschellen trug. Der Fall ist bis heute nicht geklärt. Mehr solcher Todesfälle von People of Color (Nichtweiße) in Polizeigewalt, kannst du hier nachlesen.
Grausame Fälle gibt es also auch bei uns und Alltagsrassismus allemal.

Die Autorin des Buches „Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“, Alice Hasters, hat es in einem Statement beim Deutschlandfunk gut auf den Punkt gebracht: Wenn es uns Weißen zu anstrengend wird, können wir Rassismus einfach ignorieren.
Denn indirekt geht es uns ja nichts an. Schwarze Menschen können das nicht einfach ignorieren!
Das ist nur das Privileg von uns Weißen.
Doch ich denke, wir alle haben eine Verantwortung an unsere Gesellschaft und können nicht einfach wegschauen, wenn es uns zu unbequem wird. Würden wir Weißen uns wünschen, dass andere wegschauen, wenn es uns so gehen würde? Wenn wir in der Minderheit wären und uns täglichen Angriffen ausgesetzt sind?

Ich bin hier wirklich keine Heilige. Auch ich hab bis vor kurzem immer wieder betont, dass ich nicht rassistisch bin. Das mag im Kern stimmen aber damit entziehe ich mich jeglicher Verantwortung. Ich fühle mich zwar als Mensch besser aber nehme mich auch als Verbündete aus der Sache raus. Und das bringt niemanden etwas. Zumal es hierbei auch nicht um mich geht, sondern um meine farbigen Mitmenschen, die Alltagsrassismus täglich erfahren.

Und es ist auch nicht ganz wahr:
Weiße Menschen sind sehr wohl rassistisch. Wir sind im großen Teil keine böswilligen Menschen aber wir leben in einer rassistischen Gesellschaft, die wir für uns akzeptieren und die wir nicht ändern wollen, weil sie uns passt! Oder uns ist es nicht bewusst, dass es so ist, dass wir privilegiert sind. Fakt ist, diese Gesellschaft verschafft weißen Menschen Privilegien, die Menschen mit anderer Herkunft oder Hautfarbe nicht haben. Das ist tief aus unserer Geschichte heraus entstanden – überall auf dieser Welt. (Sklaverei, Apartheid, Verfolgung der Juden und anderer Minderheiten im Nationalsozialismus etc.).
Aber auch heute ist das noch so. Wenn du dich jetzt fragst, wo, dann schau dich einfach mal um.

Die USA haben zwar die Sklaverei längst abgeschafft aber nicht die Folgen und auch nicht die Diskriminierung von Minderheiten. Menschen mit anderer Hautfarbe bekommen weniger Lohn, haben beschränkten Zugriff zu medizinischer Versorgung, beschränkten Zugriff zu Bildung,
werden weniger in Spitzenpositionen eingesetzt usw.

Und auch in Deutschland ist es, in abgeschwächte Form, ebenfalls so.
Wo siehst du andersfarbige arbeiten? Wo siehst du sie nicht arbeiten? Und wie viele sind es?
Berlin hat kürzlich ein, wenn auch sehr umstrittenes, Landesantidiskriminierungsgesetz beschlossen. Ein bundesweites Antidiskriminierungsgesetz gibt es wohl schon, dieses neue Gesetz soll nun aber auch Bürgern, die sich durch Berliner Behörden diskriminiert sehen, die Möglichkeit geben, auf Schadenersatz zu klagen. Das zeigt also, Diskriminierung ist kein neues Problem.

Es gibt aber nicht nur Diskriminierung und Rassismus in Behörden und der Polizei.
Viele Nicht weiße sehen sich einen Alltagsrassismus ausgesetzt.
Schon wenn wir jemanden mit dunkler Hautfarbe fragen, wo er / sie denn wirklich herkommt, greifen wir diese Person an. Nur weil er / sie eine andere Hautfarbe hat, heißt es nicht, dass er / sie nicht in diesem Land geboren wurde.
Nun kann man sagen, jemanden zu fragen, wo er wirklich herkommt, sei kein Rassismus. Aber in welcher Position sind wir, diese Aussage zu treffen?

Mein Exfreund ist Deutscher, beide Elternteile stammen aus Vietnam. Oft meinte er zu mir, wenn ich infrage stellte, dass er Rassismus erfährt: Du siehst die Blicke nicht, die ich bekomme. Du bekommst die komischen Kommentare nicht.
Und er ist nicht der einzige, der das sagt.

Weiße Menschen bekommen Rassismus nicht mit, weil es nicht gegen sie gerichtet ist. Es gibt keinen Rassismus gegen weiße Menschen.

Was können wir aber tun

Wir müssen uns alles, was gegenüber andersfarbigen gesagt oder getan wird einfach mal auf uns projizieren. Wie würden es uns gehen, wie würden wir uns fühlen? Wie würden wir reagieren?

Nun lässt sich darüber streiten, was Rassismus ist und was nicht. Jeder / jede hat dazu ihre ganz eigene Meinung und man kommt hier kaum auf einen gemeinsamen Nenner.
Fakt ist, niemand muss sich hier empört fühlen. Es geht hier nicht um uns Weiße und wie wir uns in mit diesem Thema fühlen, sondern darum, was wir tun können, damit unsere farbigen Mitmenschen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt behandelt und vollkommen gleichgestellt werden.

Informieren und lernen

Ich denke, dass erste ist, womit wir starten sollten, ist zuzuhören, sich ein Bewusstsein über Rassismus zu verschaffen, in den Dialog mit unseren farbigen Mitmenschen zu treten und zu lernen.
Auch sollten wir mit unseren weißen Mitmenschen in den Dialog treten und versuchen (wenn nötig) sie zum Anders denken zu bewegen. Das kann manchmal sehr hart sein, ich kenne das aus eigener Erfahrung aber es wie gesagt, es geht hier nicht um unser eigenes Wohl, sondern dem unsere farbigen Mitmenschen. Die können nicht einfach aufhören, wenn es zu anstrengend wird.

Alice Hasters hat hier auch nochmal ein paar Denkanstöße dazu:

Auch sollte unser Engagement nicht nur in dieser Zeit, in der die Medien mit diesem Thema volllaufen, da sein, sondern ständig und immer.

Spenden, Proteste, Petitionen

Ebenso können wir an gemeinnützigen Organisationen spenden, an Proteste teilnehmen (geht auch Online) und / oder Petitionen unterzeichnen.

Konkret, wo kannst du spenden?
Da ich mich in den USA befinde und der Rassismus gegen Schwarze hier weitaus häufiger und schwerer ausfällt, habe ich zunächst an BlackLivesMatter gespendet.

Aber auch in Deutschland gibt es Organisationen gegen Rassismus:
stiftung-gegen-rassismus.de/
www.amadeu-antonio-stiftung.de/

Wer nicht die Möglichkeit hat zu spenden, kann auch Petitionen unterzeichnen:
chng.it/DMHGT6yN2H
blacklivesmatter.com/petitions/
chng.it/2gtfVKXbjq
https://epetitionen.bundestag.de/

Es gibt noch weitaus mehr Aktionen und Petitionen im Netz, die du unterstützen kannst. Jedoch solltest du vorher nachlesen, ob die Organisation seriös ist und für was sie sich einsetzt.

Petitionen haben in Deutschland, Gott sei Dank, eine große Wirkung. Denn das Petitionsrecht ist im Grundgesetz verankert. Werden in einer Petition innerhalb von 4 Wochen 50.000 Unterschriften erreicht, wird dieses Anliegen vom Petitionsausschuss des Bundestags in einer öffentlichen Sitzung geprüft. Grundstzlich kann auch jeder eine Petition einreichen und sie mithilfe von sozialen Medien bekannt machen.

Hier noch einige Instagram Posts und Quellen, die mich inspiriert haben:

www.zeit.de/rassismus-proteste-instagram-blackouttuesday-solidaritaet-aktivismus-demonstrationen

www.cosmopolitan.com/how-to-protest-from-home/

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To my fellow White people (a letter)

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