Blogparade: Übers Zelten, Scones und Gelegenheiten

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Diese Blogparade von dieplaudertasche.com,  hat mich inspiriert eine Story zu veröffentlichen, über die ich schon sehr lange nachgedacht hatte.
Da ich ein großer Fan vom Reisen und Outdoor von bin, lassen sich auf meinem Blog auch einige Artikel zum Thema Camping finden.
Für die Blogparade hatte ich daher zunächst überlegt, einen bestehenden Beitrag, wie dieses Interview mit meiner Kollegin Belinda oder diese Tipps, wie man weltweit kostenlos einen Camper mieten kann, zu verlinken.

In beiden Artikel finden sich wirklich wertvolle Tipps, jedoch erschien mir dies dann doch zu einfach und zu unpersönlich.
Zudem gibt mir diese Blogparade nun den Anlass, meine Story, warum ich 14 Tage in einem Zelt geschlafen habe, wie es dazu kam und was es mich gelehrt hat, zu veröffentlichen.

Bevor du hier jetzt aber weiter liest, möchte ich, dass du weißt: in diesem Beitrag geht es weniger um das Campen an sich, als mehr darum eine Gelegenheit beim Schopfe zu packen und offen für alles zu sein, was einem so über den Weg läuft.
Wenn dich das also interessiert, dann freue ich mich, wenn du diesen Beitrag weiter liest!

14 Tage im Zelt übernachten – wie es dazu kam

Gut, du könntest dir jetzt denken, 14 Tage in einem Zelt zu schlafen, ist zwar eine längere Zeit aber machbar. Also was ist das Besondere daran?

Das Besondere daran ist, dass ich zu dieser Zeit quasi Obdachlos war. Ich hatte nicht mehr viel Geld zur Verfügung, um mir eine „gescheite“ Unterkunft zu besorgen. Zudem war ich am untersten Zipfel der Welt.




Aber zunächst mal von vorne.

Wenn du meinen Blog, bzw. den Reiseteil davon, schon länger liest, dann weißt du sicher auch, dass ich für eine lange Zeit in Neuseeland war.
Ich habe mir eine Auszeit vom Job, Umfeld und alltäglichen Leben gegönnt und wollte für 3 Monate einfach in Neuseeland reisen und arbeiten.
Das habe ich auch gemacht.

Nach einigen Monaten in Neuseeland und nach einigen Herumreisen und Partys, bekam ich Panik. Geld musste wieder ins Portemonnaie, Arbeit musste her.
Um dies schnell zu bewerkstelligen, hatte ich mich für einige Zeit in einem Working Hostel in Mount Maunganui untergebracht. Hier hatte ich die Hoffnung durch dieses auch schnell Arbeit zu finden. Leider war die Realität härter, als ich annahm, selbst in Neuseeland.

14 Tage Zelt - Mount Maunganui
Mount Maunganui – Blick vom Mount auf die Bay of Plenty

Einen schnellen und langfristigen Job, hatten nur die Backpacker bekommen, die auch ein eigenes Auto besaßen. Da ich jedoch kein eigenes Auto hatte, weil ich mir das allein nicht leisten konnte, stand ich also da. Habe jeden Tag gehofft und gewartet.

Die anderen Hostel Gäste, die tagsüber da waren, weil sie auch keinen Job hatten, trugen zu meiner miesen Stimmung bei. Leider gab es hier einige junge Deutsche, die aus dem Jammern nicht mehr heraus kamen. Abends waren dann die Arbeiter Gäste wieder da und haben auf ihre Art zur miesen Stimmung beigetragen, weil sie zu dem Zeitpunkt mehr hatten als ich: Arbeit und Geld 😉
Fest Stand, niemand sonst hatte Schuld an meiner Misere, nur ich allein und wie ich mit der ganzen Situation umging. Ich musste da raus, musste was unternehmen, konnte nicht darauf warten, bis ein Engelchen vorbeiflog und mir einen Job anbietet.

So bin ich die Straßen von Mount Maunganui abgelaufen und habe Cafés abgeklappert und mich nach einem Job umgeschaut. In einem Café auszuhelfen, das war zu damaligen Zeit mein romantischer Wunsch. Gekellnert habe ich nie, daher kam ein Restaurant nicht infrage und Modegeschäfte haben oft Mitarbeiter auf lange Zeit gesucht. Mein Work and Holiday Visum erlaubte es mir aber nur, maximal 3 Monate für ein Unternehmen zu arbeiten. Daher kamen Cafés eher infrage.

Am ersten Tag, nach knapp 3 Stunden herumlaufen und 6 Lokalen, die mir mehr oder weniger eine Abfuhr erteilten, hatte ich schon wieder die Schnauze voll und hab mich auf den Rückweg zum Hostel gemacht.

Auf dem Weg sah ich schon aus der Ferne eine kleine zierliche Person geschäftig an ihrem Laden herumwuseln. Während sie wuselte, erzählte sie mit einem Gast oder einen Bekannten. Sie strahlte eine immense Energie und Fröhlichkeit aus.

Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es ein kleines Café war, welches sich ganz in der Nähe meines Hostels befand. So weit ab von der Innenstadt hatte ich es vorher gar nicht bemerkt. Ich ging hinein. Es duftete nach frisch gebrühten Kaffee und frisch gebackenen neuseeländischen Scones. Die Lady, die da herumgewuselt hatte, eröffnete sofort das Gespräch mit mir und fragte mich, was ich hier so mache.
Ich erzählte ihr ein wenig von meiner aktuellen Situation und das ich eben auf der Suche nach einem Job war. Sie meinte zu mir, dass sie mir leider aktuell auch keinen Job anbieten kann. Sie habe gerade erst ihr kleines Café eröffnet und könnte sich nur die aktuelle Aushilfskraft leisten.
Ihr Name war Veronique. Sie kam mit ihrem Mann aus Südafrika, hat mit ihm einen Teenager Sohn und sie lebten schon seit mehr als 10 Jahren in Neuseeland. Sie gab mir Mut und Tipps und meinte, dass ich einfach dran bleiben solle.

Neuseeländische Scones
Neuseeländische Scones

Ich setzte meine Suche nach einem Job für die nächsten Tage weiter fort. Jeden Tag machte ich einen Abstecher in das kleine Café, gönnte mir einen Scone und unterhielt mich mit Veronique.
Sie erzählte mir irgendwann mehr von ihrem Haus, ihrer Familie und dass sie aktuell einen deutschen Gaststudenten bei sich wohnen lässt. Zudem haben sie 2 Katzen und einen Hund.
Ihr Sohn und der Austauschstudent würden sich semi gut verstehen und eher aus dem Weg gehen.
Ohne das ich gefragt hatte, gestand sie mir, dass sie mir auch gern Asyl geben würde. Jedoch könne ihr kleines Haus keine weiteren Menschen oder Tiere aufnehmen. Scherzhaft fügte sie hinzu, dass ich auch in ihrem Zelt, im Garten schlafen könnte. Sie winkte das schnell ab und meinte, dass könne sie ja niemanden zumuten.
So lies auch ich das zunächst gut sein und ging nicht weiter darauf ein.




Später dachte ich über ihre Worte nach. Mir kam die Idee, dass ich ihr einen Tausch anbieten könnte. Ich fand die Idee, eine Weile in einem Zelt zu schlafen, gar nicht mal so schlimm, zumal so langsam der Sommer in Neuseeland Einkehr fand und das Wetter in der Gegend meist eher sonnig war. Als Gegenleistung könnte ich dann in ihrem Café mit aushelfen, ohne Bezahlung, dafür aber hier und da einen frischen Scone bekommen. 😀

Sie war von der Idee ganz begeistert, wollte aber zunächst mit ihrem 16 Jahre alten Sohn sprechen, ob sie noch jemanden im bzw. beim Haus aufnehmen könnten. Denn auch das Bad und die Küche sollte ich zu der Zeit mit nutzen können.
Das Treffen mit ihrem Sohn war witzig. Er war zu der Zeit ein großer, stille Junge und wir haben ihm von seinem Lifeguard Training am Meer abgeholt. Sie sagt zu ihm: „So Luke, das ist Judith. Was denkst du, darf sie bei uns eine Weile im Garten unterkommen?“ Er schaut mich nur kurz eindringlich an, ein Lächeln huschte über seine Wangen und dann nickte er.
Das war es! Ich hatte ein Zelt auf unbestimmte Zeit in einem Garten, am anderen Ende der Welt! 😀

14 Tage Zelt - mein Zelt

14 Tage im Zelt übernachten – meine Erfahrung

Da war ich nun mit meinem Backpack, einer großen Luftmatratze und mehreren Decken in einem Zelt. Das war nun mein „Haus“ auf unbestimmte Zeit. Wie lange? Das wusste ich zu der Zeit noch nicht.
Hier würde ich schlafen und mich umziehen.

Anfangs fand ich es ziemlich aufregend. Zumal mich auch die Familie ja noch nicht kannte und sich nun auch daran gewöhnen musste, dass morgens eine junge Frau durch die Terrassentür kommt und das Bad für 10-20 Minuten blockierte.
Von diesem Standpunkt hatte ich es noch nie vorher betrachtet. Erst jetzt, nachdem ich diese ich diesen Artikel schreibe.
Ist bestimmt sehr seltsam eine Fremde im Garten zu haben. 😉

14 Tage Zelt - zwei dicke Katzen
Zwei dicke Katzen im Haus 😀

Nach einigen kälteren Nächten und der Aufstockung von Decken in meinem kleinen Zelt, fühlte ich mich mit der Zeit besser. Ich gewöhnte mich an dem Umstand und die Familie und ich gewöhnten sich ebenfalls aneinander.
Jeden Morgen bekam ich Besuch von Jessi, der tollen Hündin von Veronique. Sie krabbelte in mein Zelt und nicht selten landet ihre Hundezunge in meinem Gesicht, um mir guten Morgen zu sagen. Auch wenn ich das sehr widerlich finde, bei Jessi war das irgendwie in Ordnung.

14 Tage Zelt - Jessi 2
Jessi ❤

Mein Tagesablauf sah irgendwann ziemlich gleich aus:
Gegen sieben raus, ins Bad, Frühstücken, ab ins Café und bis Mittag aushelfen.
Nach dem Mittag kurz zurück, ausruhen und zu meinem Abendjob, den ich kurze Zeit später durch Veroniques andere Aushilfe fand. Ich hatte also zwei Jobs: Aushilfe in einem Café von 9 bis 13 Uhr und Tellerwäscherin in einem griechischen Restaurant von 17 bis 23 Uhr.

Nach zwei Wochen kam ich an meine Grenzen und fragte mich, was ich hier eigentlich vorhabe? Ich wollte für kurze Zeit nach Neuseeland um das Land und die Leute kennenzulernen und nicht um den ganzen Tag, fast ununterbrochen zu arbeiten und dennoch kein festes Dach über den Kopf zu haben.
Also entschied ich mich weiterzuziehen. Den Mount (so nennen die Kiwis Mount Maunganui) hinter mir zu lassen.
Mein Abschied fiel mir schwer, da ich neben Veronique auch einen guten Freund im Restaurant gefunden hatte.

So chaotisch das Ganze auch irgendwie schien, so friedlich und liebevoll war es auch.

14 Tage im Zelt übernachten – mein Erfahrungen und Learnings

Diese 14 Tage im Zelt werde ich nie vergessen. Nicht nur wegen des Zeltens, sondern der Erfahrungen und Eindrücke die ich machen durfte.
Die Familie war super nett zu mir, allen voran Veronique. Ich habe einen Einblick in einen neuseeländischen Haushalt bekommen. Habe gelernt mit wenig auszukommen und mich auf das Wesentliche zu beschränken. Dabei habe ich festgestellt, wie wenig man eigentlich braucht um glücklich zu sein. Dass es nicht irgendwelche Gegenstände sind, die uns glücklich machen, sondern die Menschen und die Umgebung in der wir leben.
Niemals werde ich bspw. die tollen Spaziergänge mit Jessi und Veronique am Strand von Mount Maunganui vergessen. Diese Frau hat mir in den zwei Wochen so unheimlich viel mitgegeben.

14 Tage Zelt - Strandspaziergänge

Ihre ganze positive Energie hat sich auf mich eingewirkt und mir wieder Kraft gegeben. Vor allem war sie es, die mir bei der Entscheidung geholfen hat, weiterzuziehen und Neuseeland zu genießen, statt wie eine Irre zu arbeiten und meine wertvolle und kurze Zeit in diesem tollen Land nicht zu 100 % auszukosten.

14 Tage Zelt - ich am StrandDiese Zeit hat mich auch gelehrt offen zu sein. Das Leben steckt voller Gelegenheiten, man muss nur einen Blick dafür entwickeln und nicht mit Scheuklappen durch die Gegend laufen.
Egal wie aussichtslos eine Situation erscheinen mag, wenn man das Leben einfach passieren lässt und Gelegenheiten beim Schopfe packt, kann so viel Schönes und Hoffnungsvolles entstehen. Ganz ohne Zwang.

Noch etwas anderes habe ich gelernt. Wir sollten die Vergleiche, ich gebe dir das und du gibst mir dafür jenes, hinter uns lassen. Wir sollten nicht aufwiegen, wie viel uns jemand oder wir jemanden schulden oder nicht schulden. Damit verschwenden wir nur unnötige Energie, in dem wir uns Ärgern oder zu viel nachdenken.
Alles kommt irgendwann in irgendeiner Form zurück und wird sich ausgleichen. Egal von wem oder was, egal wann, egal wie.
Da können vor allem wir Deutschen uns noch eine große Scheibe von abschneiden.

Leider musste Veronique ihr kleines Café nach 2 Jahren wieder aufgeben, da es keinen Gewinn erwirtschaftet hat. Sie erklärte mir, dass es nicht schlimm sei. Sie habe so viele tolle Menschen mit so viel Hilfsbereitschaft in der Zeit kennengelernt und eine ganze Menge positiver Erfahrungen gesammelt. Ihr Wunsch war es, dass sie irgendwann mal in ihrem Leben, ein kleines Café besitzen würde. Das hatte sie auch. Für wie lange, spielte für sie keine Rolle.

Ich habe meine Reise durch Neuseeland noch über ein Jahr weiter geführt. Wie ich bereits oben erwähnt habe, hatte ich kein eigenes Auto. Ich bin die meiste Zeit mit dem Intercity Bus durch Neuseeland gereist. Wenn du dazu mehr wissen willst, ließ dir diesen Beitrag durch.
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