Leben in Chicago in zu Zeiten von Corona

Anfang Februar bin ich in die USA, nach Chicago zurückgeflogen. Das war etwa zu der Zeit, in der das Coronavirus in der westlichen Welt anfing sich auszubreiten. In den USA ist erstmal nicht viel passiert. Wir wissen ja, wie Herr Trump reagiert hat bzw. nicht reagiert hat.

Nun ist es da. Und mit dem Coronavirus sitzen wir seit 4 Wochen (21.03) in einer „Stay-at-home“-Anordnung von unserer Bürgermeisterin Lori Lightfoot. Die Situation ist ähnlich wie die in Bayern: Wir dürfen nur zum Einkaufen raus. Spazieren gehen und ein wenig Sport machen / laufen gehen sind ebenso erlaubt. Ansonsten ist die Ansage zu Hause zu sein und dort auch zu bleiben. Das ist also nicht viel anders als in anderen Ländern oder Städten. Einige haben strengere Maßnahmen, andere haben gelockerte Maßnahmen. Das kommt auch immer darauf an, wie die medizinische Versorgung des Landes aussieht. Die USA können sich ein Ansturm von Corona Patienten bspw. nicht leisten und daher sind die Ausgangsbeschränkungen durchaus sinnvoll!

Nun möchte ich in diesem Beitrag ein wenig darüber berichten, wie es ist, in Zeiten von Corona, in einem anderen Land zu sein. Gerade aus den USA hört man ja so einiges was nicht ganz rund läuft (wenn das in dieser Zeit überhaupt möglich ist) und die Anzahl der Infizierten und Toten steigt von Tag zu Tag immens.

Chicago in Zeiten von Corona

Da ich schon vorher, durch meine Selbstständigkeit, viel von daheim aus gearbeitet habe, hat sich für mich nicht viel geändert.
Mein Mann ist nun ebenfalls jeden Tag daheim, weil seine Firma angeordnet hatte, bis Ende des Jahres nicht mehr zu reisen. Das ist eine extreme Umstellung für eine Consulting Firma. Auch bei sämtlichen anderen Firmen in den USA ist das der Fall. Ich begrüße diese Entscheidungen und finde es gut, dass viele Firmen ein solches Verantwortungsbewusstsein haben!

Ich bin ehrlich gesagt froh, dass jeder US-Bundesstaat seine eigenen Entscheidungen bzgl. Corona Maßnahmen unternimmt und anordnet. Denn vom Weißen Haus kommt nicht viel, außer Propaganda-Pressekonferenzen. Auch bin ich froh in Chicago / Illinois zu sein, wo man die Gefahr schon früher erkannt hat und sich entsprechend darauf vorbereitet. Einige andere Staaten denken noch immer, es würde sie nicht treffen. In Illinois ist die Situation (noch) nicht ganz so schlimm wie im Bundesstaat New York oder New Jersey. Aber Illinois verschließt auch nicht die Augen, sondern trifft Vorkehrungen.

Auch unsere Bürgermeisterin von Chicago macht einen wirklich guten Job. Wenn auch einiges für uns auch sehr streng erscheinen mag. Eine Woche nach der offiziellen Bekanntgabe zum „Daheim bleiben“ – wir nennen es hier umgangssprachlich Shutdown, wurde leider auch unser allseits beliebter Lakefront-Trail geschlossen. Zu viele Leute haben ihn zu jederzeit genutzt und Social Distancing war kaum noch möglich.

Leben in Chicago Corona - Lakefront Trail
Lakefront Trail vor Corona

Aktuell sind alle Wege zum Lakefront-Trail geschlossen. An manchen Zugängen sitzen Regierungsbeamte in ihren Autos und achten darauf, dass niemand die Barrieren überschreitet.

Leben in Chicago Corona - LFT gesperrt 3

Es fühlt sich ein wenig so an wie in einem Gefängnis zu sein aber es ist natürlich notwendig. Und es ist vielerorts auch die richtige Entscheidung, nachdem, wie geschrieben, die Zentral-Regierung nicht fähig ist notwendige und klare Anweisungen zu geben.
Ich denke auch aus diesem Grund, sind manche Staaten extrem streng und energisch. Aber besser zu viel der Maßnahmen als zu wenige. Hier geht es schließlich um Menschenleben!

Insgesamt sind die Menschen, zumindest in meiner Nachbarschaft, recht entspannt und gehen gut mit den Lockdown-Maßnahmen um.

Aber ja, auch hier gibt es Hamsterkäufe! Immer noch! Ständig sind Toilettenpapier, Küchenrollen, Desinfektionsmittel und manche andere Produkte ausverkauft. Obwohl gesagt wird, dass diese Sachen regelmäßig neu angeliefert werden und die Versorgung mit Lebensmitteln und anderer wichtiger Waren sichergestellt ist. Da frage ich mich, welche Leute so etwas noch immer horten? Auch verstehe ich nicht, warum man so viel Toilettenpapier einkaufen muss? Das Coronavirus ist eine Lungenkrankheit, keine Diarrhö.

Ich denke, in dem Fall ist es wohl in allen Ländern gleich und es gibt überall Leute, die panisch sind und die Situation falsch einschätzen. Da kann man nichts weiter tun, als selbst ruhig zu bleiben.

Um acht Uhr Ortszeit finden die täglichen Dankes-Schreie (wie ich sie nenne) statt – also die #ClapBecauseWeCare Bewegung. Das ebbt in Chicago auch nicht ob, sondern nimmt eher zu. Die Menschen schreien, singen, klappern mit Töpfen, schalten ihre Lichter im Wechsel ein und aus… irgendwie ist das ein sehr schöner Moment, weil die meisten Menschen in diesen paar Minuten ähnliche Gedanken haben und irgendwie vereint sind.

Wie wir mit dem Shutdown umgehen

Insgesamt genießen mein Mann und ich es zusammen zu sein.
Und er genießt es nicht jeden Montag Morgen oder Sonntag Abend zum Flughafen zu müssen um dann 3-4 Stunden später in einer anderen Stadt, in einem anderen Bundesstaat zu landen. In diesen Zeiten haben wir uns nur am Wochenende gesehen. Das war extrem stressig für ihn.

Nun kochen wir Abends zusammen, gehen ein bis zweimal am Tag spazieren und am Abend laufen. Auch wenn unsere Laufstrecken begrenzt sind und wir uns teilweise vorkommen wie Hamster im Käfig, beschweren können und sollten wir uns nicht.

Tagsüber geht jeder von uns seinem Tagesgeschäft nach und wir lassen uns dann den nötigen Abstand. Abends, nach dem Essen schauen wir Serien oder Filme und gehen nochmals für 10 bis 15 Minuten raus. Insgesamt würde ich sogar sagen, dass wir aktuell aktiver sind als vor der Pandemie.

Auch unsere Einkaufskultur hat sich verändert. Zuvor sind wir 3 bis 4 Mal pro Woche einkaufen gegangen und haben nicht wirklich überlegt, was wir für die ganze Woche brauchen. Nun gehen wir einmal pro Woche einkaufen. Wir wollen so wenig Zeit wie möglich mit anderen Menschen verbringen.
Einen Einkaufszettel habe ich mir auch vorher immer schon gemacht. Aber jetzt machen wir diesen für eine Woche und nicht nur für 2-3 Tage.
Auch die Zeit für den Einkauf ist wichtig: auf keinen Fall am Wochenende oder Abends. Selbst freitags ist schlecht. So gehen wir Anfang der Woche am Morgen. Die Zeiten von 6 bis 8 Uhr morgens sind für Senioren reserviert. Zu dieser Zeit sollten keine jungen Menschen im Supermarkt sein. Das respektieren wir natürlich!
Mittlerweile haben wir es uns auch zur Gewohnheit gemacht, nur noch mit provisorischem Mundschutz einkaufen zu gehen. Das machen viele andere auch. Eventuell wird dies sogar bald zur Vorschrift – empfohlen wird es ja bereits von der Regierung und New York ist es seit heute Pflicht.

In manchen Supermärkten, wie dem Trader Joes, wird nur eine bestimmte Menge an Menschen gleichzeitig hineingelassen. So entwickelt sich eine Schlange vor dem Supermarkt. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube in Deutschland ist das auch so, oder?

Ebenfalls gehörten wir bis vor der Coronavirus Pandemie zu der Coffee-to-go Kultur. Schlimm, ich weiß! 😉 Noch immer gibt es Kaffee zum Mitnehmen aber es gibt nicht mehr die Sit-in Kultur. Sich also einen Kaffee oder Tee zu bestellen, mit Laptop hinzusetzen und dieses Getränk den ganzen Tag lang zu schlürfen (zwecks kostenlosem Wi-Fi). Das schaut vor allem im Starbucks ziemlich komisch aus gerade.

Also alles in allem ist es eine interessante Zeit. Wenn auch jeder Tag irgendwie gleich für uns ist, für die Welt ist es das nicht.
Ich hoffe dennoch nicht krank zu werden. Einfach weil ich denke, dass das Gesundheitssystem hier sehr schnell überlastet sein wird und eine Epidemie nicht wirklich stemmen kann. Man sieht es ja schon jetzt in Staaten wie New York.
Daher bleibe ich daheim und distanziere mich so gut es geht von anderen Menschen, außer meinem Mann. Aber der tut das Gleiche! 😉

Was kannst du für dich in Zeiten von Corona tun?

Ich höre schon von vielen Leuten, dass ihnen die Ausgangssperre bzw. das Kontaktverbot langsam auf die Nerven gehen und sie sich wieder ihr normales Leben in geregelten Bahnen wünschen. Leider ist dies aber etwas, was niemand von uns beeinflussen kann. Auch sollten wir uns an diese Maßnahmen halten. Denn wenn irgendjemand von uns sich jetzt nicht daran hält, verbreitet sich die Antwort auf diese Reaktion wie ein Buschfeuer. Das Virus verbreitet sich schneller. Niemand hat etwas davon. Gegebenenfalls werden die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus dann sogar noch strenger.
Also sollten wir es akzeptieren wie es ist und das Beste daraus machen!

Was kannst du also tun, um die Corona Zeit so gut wie möglich zu überstehen?

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, einen geregelten Tagesablauf einzuhalten. Das heißt, ich stehe morgens früh um halb sieben auf, mache Kaffee und Frühstück und starte so gegen acht in meinen Arbeitstag. Zwischendrin gibt es Mittagessen, Spaziergänge und was sonst noch Wichtiges ansteht. Du kannst es ja oben nachlesen.
Ein geregelter Tagesablauf ist wirklich wichtig. Tue am besten so, als würdest du zur Arbeit gehen. Ziehe dir vielleicht etwas Bequemes aber dennoch Büro-taugliches an. Bleibe auf keinen Fall den ganzen Tag in deinen Schlafklamotten.
Duschen am Morgen ist übrigens auch sehr hilfreich. Wenn du jetzt fragst für wen, dann beantworte diese Frage mit „für dich!“. Du fühlst dich dadurch deutlich besser und die Struktur hilft dir in deinen Bahnen zu bleiben und nicht zu verstumpfen.

Wenn du zurzeit keine Arbeit hast, gibt es dennoch genug Zutun. Du kannst beispielsweise anfangen zu lesen. Auf Amazon Kindle gibt es genug kostenlosen Lesestoff. Und auch wenn du kein Kindl hast, kannst du das nutzen. Schau dir dazu einfach diesen Beitrag an.

Oder du fängst an Kreativ zu werden. Ich habe dir hier eine Liste mit 12 DIY Ideen zusammengestellt, die du leicht umsetzen kannst. Die meisten Materialien hast du sogar schon daheim.

Auch Sport sollte in dieser Zeit nicht zu kurz kommen. Das stärkt das Immunsystem und deine Psyche. Ich fühle mich jedes Mal mental stärker nach dem Sport. Falls du bisher noch keinen Sport gemacht hast, fängst am besten damit an. Und falls du zurzeit nicht hinausgehen kannst, kannst du auch gut von daheim aus Sport machen. Ich kann dir hierfür die kostenfreien Videos von Kelli und Daniel von fitnessblender empfehlen. Ich selbst nutze diese Videos sehr oft für meine Heim-Workouts. Hier kannst du dir von Yoga, über Muskel-Aufbau bis zu HIIT Cardio alles ausprobieren. Die beiden machen das wirklich toll!

Einige nutzen die Zeit auch, um etwas Neues zu lernen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Denke mal darüber nach was du schon immer gern mal machen oder lernen wolltest. Vielleicht ist JETZT die Zeit dafür!

Ich wünsche dir ganz viel Kraft in Zeiten der Corona Pandemie! Wenn wir nicht egoistisch denken und alle an einem Strang ziehen, überstehen wir das auch!

Wie gehst du mit dem Coronavirus um? Wie hat sich die Zeit für dich verändert? Hinterlasse gern einen Kommentar!

 

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